Der Mensch sollte alle seine Werke
zunächst einmal in seinem Herzen erwägen,
                          bevor er sie ausführt.                            

Hildegard von Bingen  

 

 

 

 

 



Die Kirche der Liebe

(Autor unbekannt)

 

Sie hat keine Struktur, nur Verstehen.

 

Sie hat keine Mitgliedschaft,

 außer denen, die wissen, dass sie dazu gehören.

 

Sie hat keine Rivalen,

 weil sie sich nicht durchzusetzen trachtet.

 

Sie hat keinen (Macht-) Anspruch (Ehrgeiz),

sondern sucht nur zu dienen.

 

Sie erkennt alle großen Lehrer aller Zeiten an,

welche Zeugnis von der Wahrheit der Liebe gegeben haben.

 

Diejenigen, die teilnehmen, praktizieren

 die Wahrheit der Liebe in allem was sie sind.

 

Keine Lebensweise oder Nationalität ist ein Hemmnis.

Diejenigen, die darin sind, wissen es.

 

Sie versucht nicht zu lehren und zu predigen,

sondern nur zu sein und durch dieses Sein zu bereichern.

 

Sie verkündet sich nicht mit lauter Stimme,

 sondern in den stillen Bereichen der Liebe.

 

Sie grüßt ehrerbietig all die Wegbereiter der Vergangenheit,

die dafür ihren Preis bezahlt haben.

 

Sie lässt keine Hierarchie oder Struktur zu,

 denn niemand ist größer als ein anderer.

 

Ihre Mitglieder werden einander an ihren Taten und

an ihrem Sein erkennen, an ihren Augen und an keinem weiteren

äußeren Merkmal als an dem einer brüderlichen Umarmung.

 

Jede und Jeder von ihnen werden ihr Leben in der

stillen Liebe für den Nächsten, der Umwelt und

der Erde widmen, während sie ihrer Aufgabe (Tagewerk)

nachgehen, wie bedeutend und gering sie auch sein möge.

 

Für sie ist der große Plan vorrangig,

der nur verwirklicht werden kann,

wenn die Menschheit in allem, was sie tut,

 der Liebe Vorrang gibt.

 

Sie verspricht keine Belohnung,

weder hier noch in der nächsten Welt

außer der nie verlöschenden

Freude des Seins und des Liebens.

 

Jede und Jeder sollen danach trachten,

das Versehen untereinander voranzutreiben,

Gutes zu tun und nur durch das Beispiel zu lehren.

 

Sie werden ihr Nächsten, ihre Gemeinde und

unsere Erde heilen.

 

Sie werden keine Furcht und keine Schande (Scham)

kennen und ihr Zeugnis wird sich gegen alle Widerstände verbreiten.

 

Sie hat kein Geheimnis, keine Einweihung außer dem wahren Verständnis

der Kraft der Liebe und die – wenn wir es wollen –

die Welt verändern kann, aber nur, wenn wir erst uns selbst ändern.

 

Alle, die sich zugehörig fühlen, gehören dazu.

Sie gehören zur Kirche der Liebe!

 

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Liebe ist ALLES WAS IST, denn im

 

GÖTTLICHEN BEWUSSTSEIN DER EINHEITt

 

 ist Liebe das Fundament von allem.

 

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DIE QUALITÄT DER LIEBE

 

die man HEILUNG nennt

 

(bei ENGEL BOTEN)

 

 

 

DAS WICHTIGSTE GEBET  DES CHRISTENTUMS IN

 

NEUER ÜBERSETZUNG  ALS ERNEUERUNG UND


BRÜCKE ZU ANDEREN RELIGIONEN


Zunächst muss auch das gesagt werden:

 Das Vaterunser hat durch einseitige Übersetzung – wie auch die „Evangelien“ - zu tendenziösen Verständnissen geführt. Wird in der Öffentlichkeit auf Bibelworte Bezug genommen, dann erfolgt ständig die Betonung darauf, dass das Verständnis heute ein anderes wäre als zu der Zeit, da es geschrieben wurde.

Warum gibt es so viele Kirchenaustritte? Viele Menschen fühlen sich betrogen und wollen wachen Geistes für sich selbst die Wahrheit finden.

Früher konnte man darauf vertrauen, dass die Gläubigen die Worte unreflektiert aufnahmen, so auch das Glaubensbekenntnis der Christen und das Vaterunser, geprägt durch die Übersetzung Luthers. „ Es könnte auch sein, dass die Kirchen Deutungen über Jahrtausende billigend in Kauf genommen haben. Denn so verstanden, zeigt das Gebet einen autoritären Gott, der Furcht einflößt und die Menschen klein macht.“  Auch konservative Theologen wissen zwar, dass das nicht die wahre Bedeutung des Vaterunsers ist, müssten aber auch die Gläubigen, die ihrem Gewissen folgen, ernst nehmen.

Dem Forscher Neil  Douglas-Klotz zufolge liegt das Problem vor allem daran, dass lange Zeit die griechische Übersetzung des Neuen Testaments als die maßgebliche galt. Das Griechische transportiert aber - verglichen mit dem Aramäischen, der ursprünglichen Sprache Jesu - eine ganz andere Mentalität, ein anderes Bewusstsein.    Die Sinnverzerrung liegt also schon im Ursprung des organisierten Christentums.

Was sagt das Vaterunser wirklich?

Das Aramäische hat, genau wie Hebräisch oder Arabisch, verschiedene Bedeutungsebenen, die sich jeweils nur aus dem Kontext erschließen. Diese Sprachen sind sehr poetisch organisiert und Wörter können in unterschiedlichen Zusammenhängen sehr verschiedene Bedeutungen einnehmen. So kann jede Zeile des aramäischen Originaltextes in sehr verschiedene Versionen übersetzt werden, die den Sinn zum Teil deutlich verändern. Die "offizielle" Version des Vaterunser ist also ohnehin nur eine von vielen möglichen Interpretationen, noch dazu kam es aber offensichtlich auch zu einigen Übersetzungsfehlern, zumindest aber zu deutlichen Sinnverkürzungen.

Betrachten wir nun das aramäische Vaterunser nach Neill Douglas-Klotz. Das erste was auffällt, ist dass die Bedeutung des Wortes "awuun" (meist mit "Vater" übersetzt) geschlechtsneutral ist. Klotz übersetzt mit "O Gebärer(in), Vater-Mutter des Kosmos" (womit auch die Suggestion, Gott halte sich ausschließlich im Himmel, nicht auf der Erde auf, vom Tisch ist). Der Aramäisch-Gelehrte Rocco Errico sagte auf einer Audio-CD über das Vaterunser, "awuun" sei ein familiäres Kosewort, es könne für Vater oder Mutter, Sohn oder Tochter, Bruder oder Schwester gleichermaßen verwendet werden. Das mag überraschen, weil es ein solches Wort im Deutschen gar nicht gibt, außer vielleicht "Schatz" oder "Liebes". Eine mögliche (ausführlichere) Übersetzung wäre angelehnt an Errico und Douglas-Klotz: "Geliebtes Schöpferwesen, das überall im Universum und in meiner Seele gegenwärtig ist".

Es gibt noch weitere solche Begriffsverschiebungen. So bedeutet etwas "lachma" im Aramäischen sowohl "Brot" als auch "Einsicht". Douglas-Klotz sagt: "Gewähre uns täglich, was wir an Brot und Einsicht brauchen". Also Nahrung für Leib und Geist gleichermaßen. Der "Schuld"-Vers lautet in der Neuübersetzung: "Löse die Stränge der Fehler, die uns binden". Eine befreiende Botschaft, die an das Sprengen von Fesseln erinnert. Das Wort für "Vergeben" (ausgesprochen ungefähr "waschwoklähn") trägt im Kern die Bedeutung "Rückkehr zum ursprünglichen Zustand". Und das Wort für "Versuchung" (l'nisiona) meint in der ursprünglichen Bedeutung "innere Unruhe, die uns von unserer eigentlichen Lebensaufgabe abgelenkt werden." Also nichts von einem Vater, der uns vorsätzlich in Versuchung führt. Hier die vollständige Neuübersetzung des aramäischen Vaterunsers durch Neill Douglas Klotz.


O Gebärer(in) ! Vater-Mutter des Kosmos,


Bündele Dein Licht in uns - mache es nützlich:

Erschaffe Dein Reich der Einheit jetzt.

Dein eines Verlangen wirkt dann in unserem - wie in allem Licht,

so in allen Formen.

Gewähre uns täglich, was wir an Brot und Einsicht brauchen.

Löse die Stränge der Fehler, die uns binden, wie wir loslassen,

was uns bindet an die Schuld anderer.

Lass oberflächliche Dinge uns nicht irreführen, sondern befreie uns von dem, was uns zurückhält.

Aus Dir kommt der allwirksame Wille, die lebendige Kraft zu handeln, das Lied, das alles verschönert und sich von Zeitalter zu Zeitalter erneuert.

 

Amen


Das aramäische Vaterunser entführt uns in eine erstaunlich frisch wirkende, unverstaubte Welt mystischer und undogmatischer Spiritualität. Es führt uns in die Nähe und zielt auf die Vereinigung mit einer liebenden, allgegenwärtigen Gottheit. Die erste Hälfte des Gebets umreißt eine Bewegung von Gott zu den Menschen hin. Seine Energie oder sein "Verlangen" soll sich in den Menschen manifestieren, sein Reich schon jetzt und auf der Erde Realität werden. Die zweite Hälfte (ab dem "Brot-Vers") gibt wichtige Anleitungen für das irdische Leben, die Versorgung mit dem Notwendigsten, den Umgang mit anderen Menschen und den "geraden Weg" zur Befreiung (übrigens eine Parallele zum wichtigsten Gebet der Muslime, der Sure „Al Fatiha“).

Universelle Bedeutung:Auch die Übersetzung von Douglas-Klotz ist sicherlich nicht die letzte und nicht die "einzig wahre", aber es ist faszinierend, sich vorzustellen, dass der historische Jesus sein berühmtestes Gebet so (oder so ähnlich gemeint haben könnte). Eine solche Auffassung könnte nicht nur zu einer Erneuerung des Christentums führen, sondern auch den Brückenschlag zu anderen Religionen erleichtern. So gibt es zwischen dem aramäischen Vaterunser und dem Islamischen Sufismus sowie asiatischen Mystik-Systemen unübersehbare Parallelen.


Neil Douglas-Klotz: Das Vaterunser - Meditationen und Körperübungen zum kosmischen Jesusgebet, erschienen im Knaur-Verlag